Von Maria Hof-Glatz
Die Erwartungen, die an Männer gestellt werden und die Männer an sich selbst stellen, sind überzogen. Sie überfordern Männer und verführen Frauen zu Fehlverhalten. Wer stellt diese Erwartungen an?
Gute Frage – niemand wirklich direkt. Es sind traditionelle Modelle, Denkkonzepte, die von Generation zu Generation in Gesellschaften weiter gegeben und wenig reflektiert werden. Zwar gibt es Entwicklungen und Veränderungen. Aber alles sehr langsam, weil der Ballast des traditionell Unreflektierten schwer anhaftet.
Die Mär vom starken Mann ist eine Herausforderung, der sich Männer selbstverständlich stellen. Männlichkeitskonzepte dulden kein Schwächeln, keine Klagen, Beanspruchen die Kontrolle über die Gefühle. Männliche Wortkargheit verleitet Frauen zur Unterstellung, Männer hätten keine Gefühle oder seinen zumindest reduziert emotional.
Das Imponiergehabe des starken Helden, Macher und Retters wird oft nur genährt durch die Rolle des Ernährers und Geldverdieners. Diese Ressource gibt Männern das Sagen und die Kontrollmacht. Doch diese Äusserlichkeiten sind keine Hinweise auf eine gereifte, stabile Persönlichkeit.
Männer lieben und brauchen Hierarchien. Diese Organisationsform, gibt Sicherheit durch ihre Regeln, Strukturen und Rituale. Sie sind wie Rüstungen: wirken stark, lassen abprallen.
Hierarchien stärken schwache Männer und schwächen starke Frauen!
Frauen, die die hierarchische Kultur nicht kennen und von der Empfindlichkeit der Männer im Beziehungs- und Persönlichkeitsbereich nichts ahnen- woher auch- sie sehen nur die Rüstung- sind verführt, zu attackieren. Sie machen es dort, wo ihre weiblichen Stärken liegen: im persönlichen Bereich, kommunikativ und wortgewaltig.
Der Held taumelt innerlich, die Hierarchie stützt ihn und die Solidarität der verängstigten Kollegen ist ihm sicher. Eine Frau, die sich nicht an hierarchische Gepflogenheiten hält oder sich verbal zu direkten Auseinandersetzungen verstiegen hat, wird durch Blockaden und Ausschluss bestraft. Fachlich gut zwar, aber gefährlich. Frau weiß dann zwar nicht wie ihr geschieht. Ist der starke Max ein schwacher Willi? Auf diese Idee kommt sie gar nicht. Es muss an ihr liegen. So verunsichert, wird sie keine Lust mehr auf Karriere haben und auch keine Chancen.
Und die Männer fühlen sich auch wieder wohler, wenn sie unter sich bleiben dürfen.
Diesen Kreislauf gilt es zu unterbrechen. Frauen müssen wissen, wie Männer und ihre Systeme funktionieren.
• Hierarchien sind die „heiligen Ordnungen“ der Männer
• Hierarchien sind dominanzorientiert, ordnend und streng reguliert
• Es gibt feste Strukturen, Regeln, RITUALE, deren Beachtung stärker über das Weiterkommen entscheidet als Fachwissen und persönliches Engagement.
• Macht ist ein wichtiges Element
Überlegen Sie: Über welche Machtquellen verfügen Sie?
Von welchen machen Sie Gebrauch?
Welche gebrauchen Sie nicht? Was hindert Sie daran?
Wie steht es um Ihre Machtkompetenz?
• Anerkennen: es geht um Macht
• fremde und eigene Ziele kennen
• Widerstände einschätzen und bewerten
• Legitimation klären
• Rollenklärung
• Strategien kennen und planen
• Beeinflussungsstrategien variieren, optimieren
• Bühnen analysieren und definieren
• Machtinstrumente einsetzen
• Eskalationsstufen beachten
• Deeskalationsmittel einsetzen
7 Irrtümer von Frauen
• Männer sind stark
• Männer sind unsensibel
• Authentizität ist Stärke
• Offenheit ist eine Stärke
• Leistung ist ein wesentliches Erfolgskriterium
• Win-Win Situationen sind anzustreben
• Beziehungsorientierung ist ein Vorteil
10 Gebote für den Umgang mit Macht
1. Sie nehmen sich Zeit, um das System und seine Regeln zu durchschauen.
2. Sie sind auch bei inoffiziellen Treffen präsent, Sie beobachten, hören gut zu, halten sich zurück.
3. Sie kennen Ihr Ziel und erforschen, was andere wollen.
4. Sie meiden die Beliebtheitsfalle und verschaffen sich Achtung und Beachtung dort, wo Ihre Bühnen sind.
5. Sie kommunizieren sachlich, kompetent, auch per Dress-Code.
6. Sie sind gut vorbereitet und verfügen über Strategien der Durchsetzung, Abgrenzung, Eskalation und Deeskalation.
7. Ihr „kaiserliches“ Verhandlungsgeschick verschafft Ihnen Respekt.
8. Sie sind loyal zu Vorgesetzten, zuverlässig bei Ihren Aufgaben und unberechenbar im Verhalten, denn Sie können NEIN sagen.
9. Sie unterscheiden zwischen gelebter und eingebrachter Authentizität.
10. Sie berechnen die Konsequenzen Ihrer Interventionen und übernehmen dafür die Verantwortung.
Profil der Autorin
Diplom-Psychologin / Mediatorin
Seminartätigkeit:
Kommunikation-Konfliktmanagement
Karrierestrategien
Machtkompetenz
Coaching
www.hof-glatz.de
Bücher
„Wie küsse ich einen Haifisch, wenn er bellt?“- was Frauen wissen müssen , um Erfolg zu haben, Orell Füssli 2002
"Wie kitzle ich den Tiger, wenn er knurrt?" - so knackt Frau den Hierarchie-Code
Orell Füssli Verlag 2008, Maria Hof-Glatz
Seminare zum Buch: "Macht und Verantwortung im Beruf" -Machtkompetent handeln, Konflikte reduzieren