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Emanuela Colombo Epiney

Emanuela Colombo Epiney, Berufungsrichterin

 

"Nach meinem Jurastudium in Genf und ein paar Jahren im Banksektor und in der Bundesverwaltung absolvierte ich ein Anwalts- und ein Notarpraktikum im Kanton Tessin. Danach sammelte ich berufliche Erfahrungen in einem Anwaltsbüro und einer Fachvereinigung sowie politische Erfahrungen als Abgeordnete im Grossen Rat. 1988 wurde ich zur Bezirksrichterin in Lugano gewählt und verzichtete in der Folge auf politische Aktivitäten, die mit dem Richteramt nicht vereinbar sind.

Seit November 1990 arbeite ich als Berufungsrichterin am Berufungsgericht des Kantons Tessin (oberes kantonales Gericht). Die Interdisziplinarität und die Abwechslung gefallen mir sehr und nachdem ich beim Sozialversicherungsgericht und beim Steuergericht tätig war, arbeite ich nun im zivilrechtlichen Bereich. Ich war 11 Jahre im Personen-, Familien-, Erb- und Sachenrecht tätig und arbeite seit 2003 im Obligationen- (Verträge) und Handelsrecht.

Meine Arbeit besteht darin, zusammen mit zwei weiteren Kollegen die Berufungen gegen Urteile der Bezirksrichter in unseren Kernkompetenzen (alle Arten von Verträgen, Privatversicherungen, Haftpflicht usw.) zu behandeln. Hinzu kommt als einzige kantonale Instanz die Behandlung von Fällen im Bereich des geistigen Eigentums (Markenschutz, Urheberrecht, Designrecht). Die kollegiale Arbeit im Team erfordert die Bereitschaft sich selbst zu reflektieren, Kritik zu akzeptieren, seine Vorschläge klar zu formulieren und flexibel zu sein. Jeder von uns arbeitet selbstständig, aber mit einem gemeinsamen Ziel, und wir sind alle verantwortlich für die erzielten Ergebnisse.

Ich bin Gerichtspräsidentin und in dieser Funktion obliegt mir auch die tägliche Durchsicht der Post, die kurze Überprüfung der Berufungen, deren Sortierung und Zuweisung an die Gerichtsmitglieder. Wie meine beiden Kollegen verfasse ich selbst Urteilsentwürfe und gebe meine Meinung zu den Entwürfen der anderen Richter ab, denn jeder Entscheid wird kollegial gefällt. In meiner Funktion als Präsidentin überprüfe ich auch die Entwürfe meiner juristischen Mitarbeitenden und überwache in Zusammenarbeit mit dem Gerichtskanzler den guten Verlauf der Angelegenheiten bis zum Ende bzw. dem Versand unseres Urteils an die Parteien. Auch ist es meine Aufgabe, die Ressourcen des Gerichts rationell zu verwalten, um sicherzustellen, dass die für die angemessene Behandlung der Angelegenheiten erforderlichen Mitarbeitenden und Mittel (Räumlichkeiten usw.) vorhanden sind.

In der Zeit vom Juni 2008 bis Mai 2010 bin ich Vorsitzende des Berufungsgerichts. In dieser Funktion vertrete ich das Berufungsgericht bei den kantonalen politischen Instanzen und den anderen Rechtsinstanzen von Bund und Kanton und ich sitze dem Gericht vor, das die Tätigkeiten der Anwälte und Notare sowie die Prüfungskommissionen für die Zulassung zu diesen Berufen überwacht. Hinzu kommt auch die Überwachung der Logistik (Gebäude und Ressourcen des Gerichts) und Administration (Stellungnahmen zu neuen Gesetzesvorschlägen, Umstrukturierungen usw.) sowie die Mitarbeit in den verschiedenen Arbeitsgruppen und Strategieausschüssen."